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FUTURA FRAGT NACH BEI KEBBA FADERA

Kebba Fadera neben Timo Pflugfelder im Spiel gegen Taubertal Kebba Fadera neben Timo Pflugfelder im Spiel gegen Taubertal Benedikt Hofmann

Klicken Sie sich hinein und erleben Sie eine Herzergreifende Geschichte eines jungen Mannes...     

Es ist ein trüber, regnerischer Vormittag, als Kebba Fadera zuhause angetroffen werden kann. Dick eingemummt und erkennbar erkältet öffnet Kebba die Haustür und bittet um Verständnis, dass er seine Wohnung nicht verlassen kann.

Das letzte Spiel in strömenden Regen beim SSV Schwäbisch Hall hat dem 21-jährigen Gambier gesundheitlich den Rest gegeben.

Kebba ist krank, man sieht ihm das an und trotzdem steckt er seinen gegenüber mit seinem Lachen und seiner positiven Lebenseinstellung an.
 

Freuen sie sich, lieber Leser, auf die spannende, aber ebenso bedrückende Lebensgeschichte unseres Vereinskameraden, der seit knapp 30 Monaten in Deutschland lebt und zwischenzeitlich fast perfekt die deutsche Sprache spricht.



Hallo Kebba, wie geht es Dir, so richtig gesund siehst Du heute ja nicht aus?

 

Oh je, mich hat es erwischt. Der Arzt hat mich krankgeschrieben. Am letzten Sonntag habe ich ja mit unserer 2. Mannschaft in Heimbach gespielt. Es hat geregnet, es war windig und kalt. Ich fühle mich in Deutschland, besonders hier beim TURA, sehr wohl, allerdings habe ich mich an dieses Wetter hier noch nicht gewöhnen können. In Gambia ist es im Winter schon sehr kalt, wenn es knapp unter 20 Grad hat. Solche Temperaturen werden hier ja schon als Sommer wahrgenommen.

 

Vielen TURA-Fans kennen dich als sprunggewaltigen Torhüter oder pfeilschnellen Außenstürmer. Wir alle haben dich hier sehr ins Herz geschlossen. Lass uns doch etwas mehr über dich erfahren.

 

Ich bin 1996 in Gambia, in der Stadt Brikama, geboren. Brikama ist etwa eine halbe Autostunde von der Hauptstadt Banjul entfernt. Meine Mutter ist gestorben, als ich zwei Jahre alt war. Mein Vater starb, als ich 6 Jahre alt war. Geschwister habe ich keine. Aufgewachsen bin ich bei meinem Onkel. Er war ein hochrangiger Soldat in Gambia. Er hat mich wie seinen eigenen Sohn großgezogen. Wir alle haben in Gambia Fußball gespielt. Fußball ist in Gambia Volkssport Nummer eins.  Mit 12 Jahren hat der Manager einer Fußballakademie mich in einem Spiel beobachtet. Er mich gefragt, ob ich nicht in seine Akademie kommen wolle. Ich spielte damals als Torhüter. Meine Freunde nannten mich „Oliver Kahn“. Jeder kleine Fußballspieler in Gambia hat den Spitznamen eines bekannten Fußballstars. Ich war  der Oliver Kahn. Übrigens, die Position des Torhüters ist in Gambia bei den Kids sehr beliebt.  

 

Wie kam es dazu, dass du aus deinem Heimatland geflohen bist?

 

Wie ich ja vorhin schon gesagt habe, war mein Onkel ein hochrangiger Offizier. Ihm wurde vorgeworfen, einen Putsch zu organisieren.

Mein Onkel wurde festgenommen, mich hat man dann auch mitgenommen. Ich war da 14 Jahre alt.

Die Leute wollten, dass ich schlechtes über meinen Onkel sage. Das konnte ich aber nicht, weil er ein guter Mensch war. Ich wurde mit Säure gefoltert, man sieht die Spuren noch an meinem Körper. Dann hat man mich in ein Krankenhaus gebracht. Dort konnte ich fliehen. Mein Onkel wurde umgebracht.

Mir gelang die Flucht in den benachbarten Senegal. Dort lebte ich fast zwei Jahre. Ich habe mich mit kleinen Jobs über Wasser gehalten, ein wenig Geld verdient.

Mir war klar, dass ich nicht mehr nach Gambia zurückkonnte. Es war dort auch niemand mehr, der auf mich wartete.

 

Wie ging es dann mit dir weiter?

 

Über den Mali, Burkina Faso, dem Niger kam ich nach Libyen. Es war die Hölle dort. Auch dort verdiente ich mit Gelegenheitsjobs ein wenig Geld, um weiter nach Europa zu reisen. Fast ein Jahr hielt ich mich in Libyen auf. Dann gelang mir die Flucht in einem Boot. Ich konnte nicht Schwimmen und natürlich hatte ich große Angst. Von Italien aus kam ich nach Deutschland. Zuerst Karlsruhe, dann Mannheim und dann nach Schwäbisch Hall.

 

Wie hast du die erste Zeit in Schwäbisch Hall in Erinnerung?

 

Ich habe in der Asylunterkunft einige Landsleute kennen gelernt. Für mich war das Wichtigste, die deutsche Sprache zu lernen. Mir war klar, dass ich keine Zukunft mehr in Gambia habe, deshalb wollte ich alles dafür tun, mir hier eine Zukunft aufzubauen. Ich habe jetzt zwei Jahre ununterbrochen die Sibilla-Egen-Schule in Schwäbisch Hall besucht. Dort habe ich Deutsch gelernt, so dass ich jetzt fast alles verstehen und auch sprechen kann. Ich kam von Anfang an gut in der Schule mit. Dort habe ich auch viele neue Menschen kennengelernt, die mir hier im Alltag auch toll geholfen habe. Das Beste, was mir jedoch passieren konnte, war, beim TURA Untermünkheim Fußball zu spielen.

 

Wie kamst du eigentlich mit dem TURA-Fußball in Kontakt?

 

Mir war klar, dass ich auf jeden Fall Fußball weiterspielen wollte. Deshalb bin ich auch gleich nach meiner Ankunft ins Training gegangen. Zunächst war ich beim SSV Schwäbisch Hall. Da hat es mir nicht so gut gefallen. Die Leute dort waren nicht so offen zu mir. Dann hatte ich Kontakt zu „Jogi“ Pfisterer (ehem. A-Jugendtrainer beim TURA, Anm. d. Red.). Jogi nahm mich mit zum Training nach Untermünkheim. Dort habe ich mich gleich wohlgefühlt. Die Mitspieler waren zu mir total nett, ich fühlte mich sofort gut aufgenommen und mir hat das Training großen Spaß gemacht. Überhaupt habe ich „Jogi“ sehr viel zu verdanken. Er hat mich immer abgeholt, hat nach mir gesehen und mir immer geholfen. Ich hoffe, er liest das jetzt, vielen Dank „Jogi“!

 

 

Jetzt bist du bei den Erwachsenen angekommen. Wie gefällt es dir dort?

 

Der TURA ist für mich wie eine große Familie. Dies meine ich tatsächlich so. Ich habe den Menschen hier im Verein auch so viel zu verdanken. Die Fans, die Betreuer wie „Paul“ und Mutlu sind wie meine Eltern, meine Mitspieler sind wie meine Brüder. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie alle sehe. Alle sind so offen und freundlich zu mir. Dies freut mich sehr.

Ob ich nun im Tor oder eine Position außen spiele ist mir nicht so wichtig. Hauptsache, ich kann spielen und mit den Jungs Siege zu feiern oder auch gemeinsam zu verlieren. Ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt. Mir macht es überall Spaß. 

 

Wie zufrieden bist du mit der sportlichen Situation hier beim TURA?

 

Ich bin sehr zufrieden. Klar, die Jungs der zweiten Mannschaft tun mir leid, da wir doch mehr verlieren als das wir gewinnen. Das kann sich aber auch schnell wieder ändern. 

Über die Entwicklung unserer „Ersten“  freue ich mich sehr. Die Jungs kämpfen, geben alles, da macht es mir total Spaß. Das Spiel kürzlich gegen den Tabellenführer Gaisbach war toll. Unter Flutlicht in Haagen, dies hat mir richtig gut gefallen. Es gibt bei uns in Gambia ein Sprichwort, dass sinngemäß so übersetzt werden kann: „Wir haben zwei Beine, zwei Schultern, einen Kopf. Der Gegner hat nicht mehr.“

 

Wie geht es für dich weiter? Welche Ziele hast du dir vorgenommen?

 

Es ist so, dass ich als Asylbewerber aus Gambia keine Chance habe, Schutz zu bekommen. Leider wurde mein Asylantrag abgelehnt. Über eine Spendenaktion beim TURA konnte ich jetzt einen Anwalt nehmen. Er prüft alles, wie es genau da weitergeht weiß ich nicht. 

Ich arbeite jetzt ja bei der Fa. Reinwald. Martin Reinwald, der Firmenchef, hat mir die Möglichkeit gegeben. Gerne würde ich dort bleiben und auch den Beruf des Bauflaschners lernen. Ich möchte mein eigenes Geld verdienen, hier leben.In Gambia ist niemand mehr da, zu dem ich zurück kann. Ich habe dort keine Zukunft.Zwischenzeitlich habe ich auch eine deutsche Freundin. Sie wohnt in Nürnberg. Wir sehen uns oft an den Wochenenden. Ich habe sie bei einem „afrikanischen Fest“ kennengelernt.

Sie sagt zu mir, ich sei schon ein richtiger Deutscher geworden. Es ist lustig, ich träume oft auch in deutscher Sprache. Meine Freundin fragt dann, was denn mit mir los ist. Mein Lieblingsessen hier in Deutschland ist Kartoffelsalat. Besonders der von Frau Kraft aus der Krone in Enslingen. Liebe Frau Kraft, das ist der beste Kartoffelsalat der Welt!.

Vielen Dank an Alle, die mir geholfen habe. Jetzt hoffe ich auf einen Sieg gegen Kirchberg. Dann wird es ein tolles Wochenende. 

Vielen Dank, lieber Kebba, für das offene Gespräch. Wir wünschen dir alles Gute und weiterhin viel Freude hier bei unserem TURA.

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